Rasen. Ein Lebensraum?

Machen wir uns nichts vor: Gärten ohne Rasen sind die absolute Ausnahme. Wenn auch nur ein bisschen Platz vorhanden ist, dann wird eine Rasenfläche angelegt. Aber es bedarf einer ganzen Menge Zeit, Geld und Energie eine Rasenfläche so toll hinzubekommen, wie es die Baumarktwerbung verspricht!

Bevor Sie eine Rasenfläche anlegen, bedenken Sie: Ihr Rasen ist ein gieriges Monster! Schön saftig und grün sieht er nur aus, wenn ständig Arbeit und Geld investiert wird. Dazu Wasser, Dünger, Unkrautvernichter und allerlei chemische Mittelchen. Dazu muss gemäht, vertikutiert, gerecht und nachgesät werden. Immer und immer wieder.

Hinzukommt das Rasenflächen zu den artenärmsten Lebensräumen im Garten zählen. Selbst wenn man ab und an einige Vögel im kurzen Rasen nach Würmern und anderen fetten Brocken suchen sieht, ist nicht viel Leben zu erwarten. Die Rasenmischung selbst als artenreich zu bezeichnen, schießt natürlich völlig am Ziel vorbei.

Und jetzt auch mal eine gute Nachricht: Sie brauchen nicht gleich auf die Anlage eines Rasen zu verzichten, wenn Sie in Ihrem Garten Natur erleben und fördern möchten.

Tipps für einen gesunden und ökologisch gepflegten Rasen

  • Super einfach und sofort umsetzbar: verringern Sie die Mähhäufigkeit und den Einsatz von Düngemitteln!
  • Verwenden Sie hochwertiges Saatgut für Ihren Rasen. Preiswerte Rasenmischungen wachsen bedeutend schneller. Und schnelleres Wachstum = häufigeres mähen. Lassen Sie sich gut beraten. Das Gras sollte nicht mehr als 2,5 cm pro Woche zulegen.
  • Lassen Sie den Rasen ruhig ein wenig höher und mähen Sie nicht so tief! Häufig wird empfohlen, den Rasen auf vier – fünf Zentimeter zu halten. Vergessen Sie aber nicht: Je tiefer gemäht wird, desto mehr Kleintiere verlieren ihren Lebensraum und meistens auch ihr Leben! Steht der Rasen höher müssen Sie natürlich auch weniger wässern. Denn höheres Gras ist besser vor der Sonne geschützt
  • Achten Sie auf ein super scharfes Messer. Ist das Messer stumpf, dann fransen die Blätter aus und bieten so eine größere Angriffsfläche für Krankheitserreger. Am besten die Messer einmal jährlich in einer Fachwerkstatt schleifen lassen. Und kaufen Sie eine Rasenmäher, mit einer hohen Motordrehzahl.
  • Beachten Sie die Ein – Drittel – Regel: Maximal das obere Drittel des Grasen darf abgemäht werden. Wird mehr abgeschnitten, dann nimmt der Rasen ernsthaft Schaden. Wenn Sie Ihren Rasen also bei 6cm halten wollen, dann müssten Sie bei 9cm mähen
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Mit kleinen Veränderungen lässt sich auch hier Artenvielfalt fördern

So wird Ihr Rasen artenreicher

Früher oder später wird man vielleicht zu dem Entschluss kommen, dass die Rasenfläche doch zu groß geraten ist. Dann kann man behutsam damit beginnen, die Rasenfläche in eine kleine Blumenwiese umzuwandeln!

Wem der Komplettumbau zu gewagt erscheint, der kann ja erstmal einige Streifen oder Inseln stehen lassen.

  • Reduzieren Sie die Mahd am Anfang auf zwei bis drei Mal im Jahr
  • entfernen Sie das Schnittgut komplett, so entziehen Sie dem Rasen nach und nach Nähstoffe
  • Logisch: kein Dünger mehr
  • Entfernen Sie an einigen Stellen die Rasennarbe und sähen Sie Wildblumen ein. Oder schauen Sie einfach, was sich von selbst ansiedelt.
  • wildern Sie in den Wiesenstreifen bzw. Inseln Frühblüher aus (Beitrag dazu folgt)
  • Mähen Sie langsam und lassen Sie immer einen kleinen Streifen stehen, in dem sich Kleintiere flüchten können
  • warten Sie mit der letzten Mahd, bis der Blumensamen reif ist

Sie werden feststellen, dass schon kleine Veränderungen in der Pflege Ihres Rasens die Artenvielfalt im Garten merklich erhöhen werden. Auch wenn Sie jetzt noch keine echte Wiese haben. Versuchen Sie es. Sie bekommen es hundertfach gedankt.

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Herzlichst, Lars Schönberg für das GartenKollektiv – Einfach mehr Natur im Garten

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