Der Hollerbusch

Ein toller Strauch. Keine Frage. Der Schwarze Holunder. Oder wie er manchmal genannt wird: Holler oder Fliederbeere. Lateinisch: Sambucus nigra. Warum ich auf die Idee gekommen bin, einen Bericht zu diesem wunderbaren Strauch zu schreiben? Ganz einfach: Weil ich mich letztens sehr darüber aufgeregt habe, wie einfach Hollunderbüsche herausgerissen wurden. Einfach so, sie sollten Platz machen für Koniferen. Die Bauherren waren gerade dabei die Baugrube fürs Haus auszuheben und da war es ja ein leichtes, die Hollerbüsche an der Grundstücksgrenze zu roden. Was für eine Schande!

Pflanzt Holunder auf unsere Grünflächen und in unsere Gärten! Wenigstens einen einzigen! Wir alle haben das Bild von Staren und Amseln vor Augen, die sich an den reifen Beeren laben. Insgesamt wurden 62 (!) Vogelarten nachgewiesen, die sich an den Beeren gütlich tun. Hinzu kommen noch verschieden Säugetiere wie Siebenschläfer und Haselmaus. Aber auch die Blüten sind wahre Magnete für viele Insekten: Tagfalter, Bienen, Hummeln lassen sich an den Blüten beobachten. Bei mir auf dem Acker lassen sich auch häufig Rosenkäfer auf den Blüten finden.

Wer weiß heute noch von der Magie des Holunders. Von den Mythen und Geschichten, die sich um den Holler ranken. Das er auch für unsere heimische Tierwelt eine sehr wichtige Pflanze ist, wissen auch nicht viel mehr. In jedem Garten stand ein Hollerbusch. Hatte er doch die Fähigkeit, böse Geister und Blitzschläge abzuwehren.

Der Holler – zu Ehren der Frau Holle

Jeder kennt das Märchen der Frau Holle. Und die Botschaft, die sich in diesem Märchen verbirgt: wer sorgsam mit dem Leben und der Natur umgeht, wer hilfsbereit und gutherzig ist, der wird am Ende für seine Mühen belohnt. Wer sich mehr mit der Figur der Frau Holle beschäftigt, wird schnell feststellen, dass sie eben für mehr als nur Schnee steht.

In ihrem wunderbaren Garten hütet sie die Seelen der ungeborenen Kinder und wurde aus diesem Grunde verehrt. Als Beschützerin der ungeborenen Kinder, aber auch der Tiere und Pflanzen. In alten Sagen erscheint Frau Holle den Menschen in Gestalt eines verletzten Tieres oder einer greisen Alten. Wer hilft und Mitleid zeigt, der wir reich belohnt. Wer sich lustig macht, der wird eben bestraft. Gold und Pech!

Im Märchen der Gebrüder Grimm erreicht man ihren Garten durch den Brunnen. Aber nicht nur der Brunnen, auch der Holunder wurde als Tor zu ihrer Welt beschrieben. Entsprechend war die Hochachtung, die man dem Strauch entgegenbrachte sehr hoch. Es war üblich, den Hut zu ziehen, wenn man an Frau Holles Strauch, dem Holler vorüberging. Einen Holunder abzuhaken, zu stark einzukürzen oder gar zu roden, war undenkbar. Sollte es trotzdem unvermeidbar gewesen sein, dann wurde dies sehr behutsam angegangen: zuerst wurde der Geist im Baum mit Opfergaben besänftigt, dann seine Äste in der Erde vergraben.

„Ringel, Ringel, Reihe, sind der Kinder dreie, sitzen unterm Hollerbusch, machen alle husch, husch, husch“. Wer kennt nicht den alten Kinderreim. Aber das Wissen um das Brauchtum und den sorgsamen Umgang mit einem so mächtigen Strauch wie den Holunder darf nicht vergessen werden. Schließlich gilt er als Schwellenbaum, als Tor zur Anderwelt und als Baum der dreifaltigen alten Muttergöttin Holle. Und er trägt ja auch ihre symbolischen Farben: Das Weiß seiner duftenden Blüten, das Schwarz seiner reifen Beeren und das tiefe Rot seines Beerensaftes. Wer an Mittsommer unter dem Holunderbusch sitzt, der mag vielleicht das kleine Volk tanzen sehen, wer darunter einschläft, könnte unwiederbringlich in das Untere Reich gezogen werden. (Quelle: http://terravera.de/v/6606/das-alte-wissen-der-kelten-frau-holle-und-ihr-hollerbusch/)

Medizinische Wirkung

Die medizinische Wirkung war schon in früheren Zeiten bekannt. Dem Holunder wurden große Kräfte bescheinigt. An seine Äste wickelte man die Verbände der Kranken, damit der Holler die Krankheit festhält, das Badewasser von Neugeborenen wurde unter den Holler entleert. Wenn Kinder oder Tiere krank wurden, dann wurden Frau Holle kleine Opfergaben in Form von Milch, Flachs oder Wolle gebracht.

Und auch heute werden die Blütenstände und Beeren für die Behandlung fiebriger Erkrankungen und zu Stärkung des Immunsystems genutzt. Er wirkt schweißtreibend. Und es kann nicht empfohlen werden, die Beeren roh zu verzehren. Heute werden in Deutschland auf 600 Hektar Hollerbüsche zu Medizingewinnung angebaut. In Österreich (Steiermark) auf mehr als 1.500 Hektar.

Fazit

Ein toller Strauch. Einer der wieder verstärkt in unseren Gärten und auf Grünflächen gepflanzt werden sollte. Und er muss zu kaufen sein. Nicht nur in Baumschulen. Sondern auch in Gartencentern und Baumärkten. Aufklärungsarbeit tut genauso Not. Der Holler ist kein Unkraut. Sondern eine ganz besondere Pflanze.

Liebe Grüße, Lars

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